
Ein Brückenbauer zwischen Polen und Deutschland
SENDEN. Unter dem Titel „Władysław Bartoszewski – Widerstand, Erinnerung, Versöhnung“ eröffnete die Deutsch-Polnische Gesellschaft (DPG) Senden am vergangenen Dienstag eine Ausstellung im Foyer des Rathauses. Diese erinnert an einen Mann, dessen Leben eng mit der Geschichte Polens und der deutsch-polnischen Aussöhnung verbunden ist.
Die Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, Grazyna Brandes, erinnerte an Bartoszewskis Rede vor dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat im April 1995. Darin erklärte er: „Diese Alltäglichkeit und Normalität zwischen Deutschen und Polen schätze ich ganz besonders.“
Auch 31 Jahre später bleibe diese Normalität eine Aufgabe, so die DPG. Sie fördere deshalb durch Reisen, Vorträge, Kulturveranstaltungen und persönliche Begegnungen das gegenseitige Verständnis. Zu einer tragfähigen Nachbarschaft gehöre auch die Bereitschaft, unterschiedliche Erfahrungen anzuerkennen und offen über schwierige Kapitel der gemeinsamen Geschichte zu sprechen.
Holger Bothur begrüßte die Gäste. Als Vertreter der Gemeinde und Hausherr hieß er die DPG mit ihrer Ausstellung im Rathaus willkommen.
Prof. Dr. Klaus Ziemer, Politikwissenschaftler, Kurator der Ausstellung und ehemaliger Direktor des Deutschen Historischen Instituts Warschau, stellte Bartoszewskis Leben und Wirken vor. Für den musikalischen Rahmen sorgten Achim Stanosek und sein Ensemble aus Lüdinghausen.
Der 1922 in Warschau geborene Bartoszewski wurde 1940 von den deutschen Besatzern verhaftet und in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht. Nach seiner Freilassung schloss er sich dem polnischen Widerstand an. Als Mitglied der Heimatarmee und Mitarbeiter des Hilfsrates für Juden, Żegota, half er verfolgten Juden. 1944 nahm er am Warschauer Aufstand teil. Nach dem Krieg wurde Bartoszewski wegen seiner oppositionellen Haltung vom kommunistischen Regime verfolgt und über Jahre inhaftiert. Später engagierte er sich in der demokratischen Opposition und bei Solidarność. Nach 1989 wurde er Botschafter, Senator und zweimal Außenminister Polens.
Ziemer zeigte, wie eng bei Bartoszewski persönliche Erfahrung, historische Erinnerung und politische Verantwortung verbunden waren. Sein Leitsatz „Es lohnt sich, anständig zu sein“ war für ihn eine Aufforderung zum Handeln – besonders dann, wenn Haltung Mut erforderte.
Die Ausstellung ist bis Freitag (25. September ) im Foyer des Rathauses zu sehen.
Westfälische Nachrichten, 17.09.2026