14-Stunden-Fahrt für die Freundschaft

Von Susanne Nagel-Eckey

SENDEN. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Senden (DPGS) hatte zum 20. Jubiläum geladen, und am Freitagabend (2. Oktober) startete nach intensiven Vorbereitungen vonseiten des Vorstands endlich das große Festprogramm. Bei tollem Spätsommerwetter versammelten sich die Gäste, Mitglieder und Freunde der DPGS, Vertreter des Sendener Gemeinderats, der Sendener Vereine sowie des Münsteraner polnischen Freundeskreises, im Vorgarten des Alten Zollhauses.

Auch der Festredner Marek Gluszko, Generalkonsul der Republik Polen, war aus Köln angereist und wurde von der Vorsitzenden Grazyna Maria Brandes herzlich begrüßt: „So einen hohen Besuch hatten wir noch nie hier im Hause!“

Nur die Delegation aus der Partnerstadt Koronowo ließ noch auf sich warten, steckte sie doch noch auf der Autobahn im Stau fest. Aber das konnte die gute Stimmung nicht trüben, und unter guten Gesprächen nahm die Festgesellschaft ihren Platz im großen Saal des Zollhauses ein.

Brandes begrüßte nun auch offiziell die Gäste und übergab an den Generalkonsul, der in seinem Vortrag zu den Perspektiven und Herausforderungen der Deutsch-Polnischen Beziehungen die Verwurzelung der deutsch-polnischen Freundschaft nach wechsel- und gewaltvollen Jahrhunderten unterstrich.

Und passgenau trafen nun auch die polnischen Gäste ein und wurden herzlich begrüßt. Besonders herzlich war die Begrüßung zwischen den beiden Bürgermeistern Sebastian Täger und Patryk Mikolajewski. So konnte der Vortrag fortgesetzt werden und der Generalkonsul stellte zum Abschluss fest: „Es ist vieles gelungen, was zur Wende als unvorstellbar galt“. Er machte Mut, den Weg weiter zu bereiten für gegenwärtige und zukünftige Beziehungen.

Nach einer kurzen Dankesrede des Bürgermeisters von Koronowo, die Grazyna Brandes direkt übersetzte, und der Übergabe von Gastgeschenken, das „Buch aus Koronowo“ und Wein und Gebäck aus dem Münsterland für „ruhige Stunden“ an Konsul Marek Gluszko, begaben sich die Gäste aus Polen zum längst verdienten Abendessen – nach 14 Stunden Fahrt!

Und am Samstagvormittag (3. Oktober) fingen die Festlichkeiten erst so richtig an mit einem Sektempfang und Festakt in großen Saal des alten Zollhauses. Bei ihrer Begrüßungsrede erinnerte Grazyna Maria Brandes an die Unterzeichnung des deutsch-polnischen Freundschaftsvertrages vor 35 Jahren und an die nunmehr 20 Jahre lang gelebte Freundschaft der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Senden.

Auch der Termin der Jubiläumsfeier, der 3. Oktober, sei nicht zufällig gewählt, sei er doch auch ein Symbol für Einheit und Zusammenschluss. „Wir öffnen heute die Tür und heißen alle herzlich willkommen“, schloss die Vorsitzende und übergab an Bürgermeister Sebastian Täger. Der erinnerte an unzählige vielfältige gemeinsame Veranstaltungen der DPGS, wie Begegnungs-, Studien- und Bildungsreisen, Vorträge, Lesungen, Ausstellungen, Filmvorführungen, Konzerte, Schüleraustausche und natürlich die regelmäßigen Bigos-Essen!

Er dankte allen alten und neuen Mitstreitern in beiden Ländern für ihren langjährigen, wertvollen Einsatz für die gemeinsamen Werte wie Freiheit, Solidarität und Rechtsstaatlichkeit. Auch der polnische Bürgermeister Patryk Mikolajewski, dessen Rede von der Deutschlehrerin Karolina Myk-Szczepińska direkt übersetzt wurde, bedankte sich für die gute Zusammenarbeit und betonte die Wichtigkeit der Kontakte.

Ein ganz grundlegender Programmpunkt der deutsch-polnischen Freundschaft war immer der gemeinsame Schüleraustausch. Insgesamt 30 Schüleraustausche fanden in den Jahren 2004 bis 2019 statt, erst Corona konnte die Treffen stoppen.

In diesem Jahr aber hat erstmals wieder eine Begegnung stattgefunden, Schüler beider Länder trafen sich in Weimar zu einem sechstägigen Programm mit gemeinsamen Seminaren, einer Stadtrallye, Museum, Spieleabenden, Karaoke und Lagerfeuer. Aber auch ein Besuch in der Gedenkstätte Buchenwald hat stattgefunden.

Zu der Fahrt hatten die Schülerinnen und Schüler einen Film erstellt, der von Lehrer Dominik Schmauck vorgeführt wurde. „Wir haben uns alle auf Englisch unterhalten, das ganze Programm hat viel Spaß gemacht“, berichtete einer der teilnehmenden Schüler. „Und Buchenwald war für uns sehr bedrückend“, ergänzte eine Schülerin.

Für das nächste Jahr ist wieder ein „echter“ Schüleraustausch in Koronowo geplant, die anwesenden Lehrerinnen und Lehrer beider Länder nutzten direkt die Gelegenheit zur Vorbereitung der Fahrt.

Anschließend schlenderten die Gäste zur angenehmen Wohlfühlmusik des WBDH-Trios unter Leitung des Sendener Saxophonisten Werner Beckmann über einen „Markt der Möglichkeiten“, bei dem Infostände zu allen Themen der DPGS aufgebaut waren.

Besonders bunt war der Stand aus Koronowo mit Fotos, Infomaterial und kleinen Werbegeschenken zu Stadt und Land, präsentiert von Piotr Jesiek in der historischen Kleidung eines Zisterziensermönchs. Die Stadt Koronowo ist nämlich aus einem solchen Kloster entstanden, wie Jesiek bei einer Präsentation dem interessierten Publikum verriet.

Gutes Essen, polnische und deutsche Spezialitäten, Kaffee und Kuchen und Kinderprogramm mit Basteln und Hüpfburg rundeten das Jubiläumsprogramm ab. Ein komplett erfolgreicher Feiertag für alle Mitstreiter, die sich Bürgermeister Tägers Aufforderung zu Herzen nehmen können: „Weiter so!“

Westfälische Nachrichten, 05.10.2026